Pilar, Ponson, Camotes Islands

Fast vier Wochen habe ich jetzt in Pilar, Ponson, Camotes Islands verbracht und mit GM Yuli Romo trainiert. Yuli Romo ist der Inbegriff der philippinischen Eleganz – er bewegt sich wie eine Katze, wenn er kämpft! Vier Wochen tägliches Training reichen natürlich – leider – nicht aus, diese Eleganz auch nur annähernd zu erreichen. Aber es ist ein guter Anfang, wenn es darum geht, sie zu verstehen.

Nachdem Russ wieder nach England aufgebrochen ist, hat sich der Schwerpunkt meines Trainings mit GM Yuli einmal mehr verschoben. Sehr zu meiner Freude standen die Techniken jetzt weit im Hintergrund und stattdessen ging es immer tiefer in die „Grundlagenforschung“ – Gewichtsverlagerung, Body-Movement, Footwork sind die Knackpunkte des Trainings – wie auch die Kernpunkte von GM Yulis Bahad Zubu (was dann oft mit den Interessen der „Ausländer“ in Konflikt gerät, die eher an vielen Techniken interessiert sind). Interessantestes Trainingsgerät dafür ist – neben dem Kampilan – der Bali Alho. Ein etwa 170cm langer und ziemlich dicker Stamm, mit dem Reis gestampft wird. Will man diesen bewegen, wird man quasi gezwungen, den Körperschwerpunkt „richtig“ zu verlagern, den Oberkörper entsprechend zu „verdrehen“ und sicher zu stehen.

Den zweiten Schwerpunkt bilden die Finten, pre-emptive Strikes und Fallen. Jedem „offensichtlichen“ Schlag geht eine andere Technik voraus, jeder Angriff soll nur eine Lücke für die zweite Hand oder eine andere Technik öffnen. Und das funktioniert natürlich wieder nur mit entsprechendem Timing und Footwork.

Gerne würde ich noch mehr über Bahad Zubu schreiben, aber es ist schwer, das Training in Worte zu fassen. Vielleicht am treffendsten wäre der Vergleich einfach=gut. – Alles, was Yuli macht, ist einfach – es gibt keine verschnörkelten Techniken, die nur mit kooperativen Partnern funktionieren, und Yuli ist auch jederzeit bereit und willens, das zu beweisen. Aber was so einfach aussieht beruht auf jahrelanger Erfahrung, die sich in Timing und Distanzgefühl niederschlägt. – Es ist also leider nicht so einfach, die einfachen Techniken tatsächlich einzusetzen. Daher kann ich nur jedem, der die Möglichkeit hat, empfehlen, mit Yuli zu trainieren und Bahad Zubu zu fühlen… Worte oder Videos sind leider nicht geeignet, die wirklich entscheidenden Elemente zu vermitteln. (Natürlich gibt’s trotzdem noch ein kleines Video, um das Tropische-Insel-Feeling zu vermitteln..)

Ponson-Training

 

Außerdem habe ich die Möglichkeit genutzt, ein kleines Interview mit GM Yuli durchzuführen… eine Frage bezog sich auf die Herkunft des Bahad Zubu:

Q: Bahad Zubu verbindet die Stile von Islao Romo, Antonio Ilustrisimo und Soferino Borinaga. Kannst du etwas mehr zu den einzelnen Stilen sagen?

A: Jeder weiß, dass meine Natur die von Tatang Ilustrisimo ist, wenn es um Philippinische Kampfkunst geht. Islao Romo war mein Großonkel und mein erster Trainer. Aber es waren die Erfahrungen, die ich im Training mit Tatang Ilustrisimo machte, die es mir später ermöglichten, auch den Stil von Soferino Borinaga zu verstehen. Die Unterschiede zwischen Tatang und Soferino Borinaga, einem der berühmtesten Kämpfer von Camotes Islands, sind gering. Es geht eher darum, wie die Kampfkunst vermittelt wird. Ich habe schon in meiner Kindheit mit vielen alten Männern von Camotes gesprochen und trainiert und so versucht, mehr über den Stil Soferino Borinaga zu erfahren. Aber ich habe es erst verstanden, nachdem ich von Tatang gelernt hatte. Abierta und Serrada, Offen und Geschlossen, In and Out – es geht um die menschliche Natur.

Um ein paar Unterschiede deutlich zu machen, führte er dann einige typische Bewegungen vor. (Ilustrisimo 00.00-00.45 –> Romo 00:50-01:10 –> Borinaga 01:20-02:27)

Ilustrisimo-Romo-Borinaga

 

Am Dienstag (etwas später als geplant wegen der Holy Week und überfüllten Schiffen) geht es nach Cebu und es ist einiges geplant. GM Yuli erklärte sich bereit, mich an einige Meister zu vermitteln, was mich natürlich sehr freut (schließlich steht er mit seinem Namen für mich ein). Und ein paar Telefonnummern habe ich schon vor der Reise und in Manila besorgt, so dass wohl keine Langeweile aufkommen wird.

Meine nächsten Trainingsberichte werden von DeCampo JDC-IO, Dogokan und Abayan handeln, wobei letztere mir bisher völlig unbekannt waren. Mal schauen, was da auf mich zukommt. (Außerdem geplant sind Abstecher – ala Sightseeing-Tour – ins San Miguel Eskrima, Lapunti Arnis de Abanico und vielleicht auch Balintawak.)

So.. und jetzt, nur um euch alle neidisch zu machen, noch ein paar Bilder der Insel!

Ps: Bilder vom Training und ein Video mit etwas mehr Action (wie andernorts gewuenscht) mache ich in Cebu fertig…

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Published in: on April 7, 2007 at 2:52 am  Comments (1)  

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One CommentLeave a comment

  1. du hast es geschafft – ich bin neidisch
    *grin


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