Der Stock ist wieder ein Stock

Heute habe ich Al Cuizon, meinen Trainer für die Zeit in Cebu getroffen. DeCampo JDC-IO ist angesagt. Ein paar Stunden jeden Tag sind geplant, hauptsächlich mit Al, aber auch mit Celestino ‚Tini’ Macachur und GM Ireneo Olavides.

Schon die erste Session hat klargemacht, dass ich wieder mal am besten von Null anfange. Aber das war ja auch zu erwarten, da DeCampo im Gegensatz zu Kalis Ilustrisimo immer vom Stock als stumpfer Waffe ausgeht und vor allem in der langen Distanz kämpft. Wir haben langsam angefangen, indem Al mir ein paar der Grundprinzipien demonstriert hat und dann ging es los mit den Schlägen 1-6. Wobei Schläge eigentlich das falsche Wort ist. Schlag 1 gibt es aus drei Positionen: serrada, central und abierta. Die Schläge werden gestreckt (man versucht, durch Bodymovement und Streckung des Handgelenks die maximale Reichweite zu nutzen) und erfolgen ansatzlos. Bestimmte Winkel gibt es nicht. Schlag 1 (aus seinen drei Positionen) kann in jeder beliebigen Höhe erfolgen – im Abierta von links, Serrada von rechts und central eben vertikal. „Schläge“ 2-6 sind Kombinationen aus bis zu vier aufeinander folgenden Schlägen, die wieder aus den drei Grundpositionen erfolgen (und dann geringfügig unterschiedlich sind). Aus Schlag 1-6 werden so 3 Schläge und 15 Schlagkombinationen. Und sie sind in der Ausführung sehr verschieden von den klingenbasierten Techniken, die ich bei Yuli Romo trainiert habe.

Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten – im Footwork. Äußerlich sehen die Schritte der beiden Stile zwar völlig verschieden aus. Al und Yuli benutzen aber die gleichen Grundprinzipien, um den Körper in Bewegung zu bringen und trainieren sie auch auf die gleiche Art und Weise. – Die Body-Stepping-Footwork Drills sind die gleichen (stammen wohl vom gleichen Lehrer), nur in der Anwendung werden die Prinzipien bei Yuli für den Klingenkampf, bei Al für den Stockkampf interpretiert. Am Montag geht es dann richtig los mit dem Training… und dann werde ich auch ein paar Bilder und Videos machen.

Abgesehen vom DeCampo werde ich eine Sightseeing-Tour der Cebuano FMA machen. Al ist nicht nur Tourist Guide, sondern auch Mitglied des Cebu Eskrima Society und kennt hier wirklich jeden. Und so werde ich alle paar Tage einen anderen Großmeister besuchen und mir das Training dort anschauen. Edring Casio, Cacoy Canete, Dionisio Canete, Ondo Caburnay, … es gibt hier so viele!

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Published in: on April 14, 2007 at 10:10 am  Leave a Comment  

Cebu City

Nach einem Monat in Pilar ist es angenehm, wieder in der Zivilisation zu sein, und so habe ich die letzten drei Tage damit verbracht, mich „abzulenken“. Also Stadt erkunden, ins Kino gehen, Internetforen und Newsseiten lesen, Pizza essen, bowlen… All die alltäglichen Dinge, die ich auf der Insel vermisst habe und bei denen man sich mal richtig entspannen kann, weil sie so normal sind. Oder sich eine Stunde lang massieren lassen (etwa 2,50 Euro die Stunde… das kann sich dann sogar der Student leisten).

Allerdings wird das Stadtleben auch schnell wieder anstrengend. – Vor allem psychologisch. Die Klassenunterschiede sind allgegenwärtig – Strassenkinder neben Supermalls mit europäischen Preisen. Und noch nerviger – der Unterschied zwischen weiss und pinoy.

Auf der Insel war man als Europäer so etwas wie eine Attraktion. Hier wird man als Weisser erstmal abgestempelt, und nicht zu Unrecht. Abgesehen von einigen Backpackern kann man die Europäer und Amerikaner hier nicht unbedingt als sympathisch bezeichnen, denn es gibt nur zwei Sorten. Übergewichtige, alte Männer mit 18jährigen Filipinas an der Hand (Heiratstourismus) und übergewichtige, alte Männer auf dem Weg in den Nightclub (Sextourismus). Und weil es davon so viele gibt, gibt es auch viele Vorurteile, die das Leben nicht unbedingt entspannter machen. Auf Schritt und Tritt wird man von aufdringlichen Verkäufern und Zuhältern belästigt, und so wird die Mall zum einzigen echten Entspannungsort hier in Cebu-City.

Trotzdem ist Cebu eine sehr schöne Stadt, die ich nur jedem empfehlen kann (am besten für ein paar Tage und dann wieder raus auf die Inseln!)

Published in: on April 14, 2007 at 10:06 am  Comments (1)